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Unsere „Amphora“ hat den Sommer in Malta an Land verbracht. Ende August sind wir nach Malta geflogen. Der Temperaturschock ist gewaltig. Malta ein gewaltiger Brutofen, wenig Grünes, viel Kalkstein, auch nachts geht das Thermometer nicht unter 27 Grad. Kaum auszuhalten. Wir wollen schnell weg. Einwassern, die neuen Segel von Elvström montieren (Lattengross und 150% Rollgenua). Die Segel passen perfekt. Elvström Sails hat gute Arbeit geleistet und wir sind vom neuen Segelmaterial Hydranet, eine Kombination aus hochwertigem Dacron, verstärkt mit einem Gitter aus Spectrafäden, total begeistert. Ausklarieren, ja das muss man in Malta, obwohl EU und Schengenland – absolut unlogisch, aber wir halten uns an die Vorschriften. Los geht es. Wir erwischen eine Schwachwindphase-zum Start ideal. Wir steuern Marzamemi in Sizilien an, die Hälfte unter Segel, den Rest mit Motor. In Marzamemi dreht der Wind an der Ostküste Siziliens nach Norden, also kein Weiterkommen Richtung Syrakus und Catania. Wir mieten ein Auto und besuchen das 2700 Jahre alte Syrakus. Wirklich beeindruckend, nicht nur die Stadt sondern auch die riesige, gut geschützte Hafenbucht, in der schon Phönizier, Griechen, römische Galeeren, normannische Langschiffe und unzählige Schiffe vor uns geankert haben. Zwei Tage später dreht der Wind und nun ankern auch wir in dieser Bucht und atmen den Hauch der Geschichte ein. Von Syrakus geht es nach Catania am Fusse des Aetna. Gute Segelbrise, aber mit dem Hafenplatz wird es scheinbar schwierig, über Funk meldet sich niemand, das Telefon nimmt keiner ab – so fahren wir einfach rein zuhinterst in den Hafen. Beim Circolo die Vela finden wir Stege, aber scheinbar alles belegt. Nach einiger Zeit schwenkt jemand die Arme und lotst uns in den allerhintersten Winkel, dort wo die Fischer sind. Und tatsächlich hier hat es noch freie Liegeplätze. Wir wollen möglichst bald auf den Aetna, der Marinero vermittelt uns einen Kollegen, der uns für 100 Euro fahren will. Wir zögern, weil wir glauben, dass das ein überrissenes Angebot ist, dann akzeptieren wir doch, schliesslich geht man wohl nur einmal im Leben auf diesen Vulkan. Doch wie sich nun herausstellt, ist das ein äusserst faires Angebot. Die Fahrt vom Hafen bis zum Fuss des Aetna dauert über eine Stunde und wieder eine Stunde zurück, während unsres Ausflugs auf den Vulkan von mehreren Stunden muss der Fahrer warten- so gesehen doch ein faires Angebot. Der Besuch des Aetna wird touristisch total ausgeschlachtet, hoch mit der Seilbahn, dann rein in einen Geländelastwagen, danach geführte Wanderung um einen Krater mit Vulkaninfos des Führers. Alles in der Grossgruppe- Massentourismus pur. Doch für uns wohl die einzige Möglichkeit diesen Vulkan zu besuchen und zudem sehr beeindruckend. Es raucht an mehreren Stellen und der letzte Ausbruch vom Juli ist noch gut sichtbar, die Vulkanasche immer noch sehr heiss. Soll 20 Jahre dauern bis ein Lavastrom abgekühlt ist. Von Catania wollen wir weiter direkt nach Cabo Rizzuto in Kalabrien- eine grössere Strecke und nur mit einer Nachtfahrt zu bewältigen, da es weder einen Hafen noch eine geschützte Bucht dazwischen hat. Die letzten 40 sm vor Rizzuto führen durch den Golf von Squillace, eine berüchtigte Scheissecke, die schon Odysseus verflucht hat. Das Problem sind offenbar die Berge, welche den Wind so ablenken, dass Böen von allen Seiten einfallen und einen entsprechend chaotischen Seegang hervorrufen. Der Wetterbericht ist gut, wir starten, es läuft prima, zwar alles am Wind und Schräglage aber machbar bis eben zum Golf von Squillace. Um Mitternacht sind wir im Golf und es geht gleich los. Hammerböen von 30 kn aus allen Richtungen, das Wasser fegt über das Deck, Sicht null. 3 Reffs im Grosssegel und die Genua auf Fock 3 Grösse eingerollt torkeln wir über den Golf von Squillace. Am Morgen so um 8 sind wir durch und kurz vor dem Hafen Castella bei Cabo Rizzuto kommt die Sonne raus. Geschafft. Der Hafenmeister des Circolo di Vela in Castella sagt uns, er frage nicht wie es gewesen sei, der Golf von Squillace sei immer und vorallem nachts mit den katabatischen Fallwinden ein Ort der Miseria. Wir räumen auf, entsalzen das Schiff und schlafen ein wenig. Am Abend des 10. September zeigt der Wetterbericht ein günstiges Wetterfenster an um quer über das Ionische Meer direkt nach Griechenland zu kommen. Eigentlich wollten wir über Apulien, Albanien nach Korfu. Aber das würde noch dauern.

Also beschliessen wir den direkten Weg von Castella in Kalabrien nach Preveza in Griechenland in Angriff zu nehmen, 170 sm, gerade was wir so in 36 Stunden nonstop schaffen können. Alle Wetterberichte sagen bei einem Ostkurs Wind aus NW bis N voraus. Eigentlich ideal auch von der Stärke her, so 12 bis 15 kn- was will man mehr. Einzig Sorgen bereitet mir ein Gewittertief südlich von Cabo Rizzuto, das soll sich aber am 11. September !!! auflösen. Eine gleiche Wetterlage wie in der Biscaya 2007, wo sich so ein Gewittertief entgegen der Wetterprognose nicht aufgelöst, sondern zu einem Orkantief verstärkt hat und uns danach den Sturm aller Stürme beschert hat. Aber immer können die Wetterfrösche doch nicht daneben liegen. Wir starten am 11. September. Die ersten Meilen wie vorhergesagt, nach dem Cabo Rizzuto dann erwischt uns das offenbar immer noch sehr aktive Gewittertief, anstatt NW Wind nun NE Wind, anstatt 15 kn nun 27 kn. Was tun, umdrehen??

Wir entschliessen uns durchzubeissen und auf Wetterbesserung zu hoffen. Bis um 14 Uhr nachmittags schiessen wir mit 3 fach gerefftem Gross und minimaler Rollfock bei 60-70 Grad am scheinbaren Wind mit 6.8 bis 7.2 kn Richtung Griechenland, aber wir können das angepeilte Ziel Preveza nicht mehr halten, unser Kartenplotter zeigt uns wo wir landen werden – in Kreta!! Und die Wellen nehmen zu bis ca. 2.5m. Um 14 Uhr geht der Wind schlagartig auf die versprochenen 15 kn zurück und er dreht auch langsam zurück bis auf N. Nun wird es langsam angenehm. Bis am Abend bildet sich der Seegang zurück und es wird ein schönes Segeln nun wieder Richtung Preveza. Am späten Nachmittag des 12. September laufen wir in die Marina Preveza ein. Alles paletti! Meine meteorologischen Lehren aus diesem Törn: Gewittertiefs (jetzt und damals in der Biscaya) können offenbar nur mässig gut interpretiert werden und da das so ist, werd nie nie wieder eine Ueberfahrt in Angriff nehmen wenn ein Gewittertief in der Nähe ist, auch dann nicht , wenn die Wetterfrösche eine positive Entwicklung vorhersagen. Basta. Am 13. !! September geh ich zum Einklarieren. EU, Schengenland, bilaterale Verträge-alles wurscht-man muss einklarieren wie vor 200 Jahren. Zuerst zur Portpolice. Die erstellt eine Crewliste, macht zahlreiche Kopien der Pässe, stempelt Crewliste und Passkopien. Danach geht es zum Zoll an der anderen Ecke von Preveza. Dort ist eine Juristin für mich zuständig, ziemlich hässig die Lady, hat wohl nicht den besten Tag. Wie immer in solchen Fällen versuch ich mit extrem ruhiger Stimme und einem Lächeln zu antworten. Und es funktioniert auch hier, die Lady kommt runter, wird ruhig und ganz angenehm. Ich möchte eine permanente Aufenthaltsgenehmigung wie die EU Boote, denn ich hab ja in Frankreich 1998 die Mehrwertsteuer bezahlt. Doch die Lady sagt, die Zollquittung von F sei zu wenig, ich bräuchte noch das und jenes und ein beglaubigtes Transkript in griechisch und und und. So diskutieren wir mindestens 1 Stunde. Aber es ist nichts zu machen. Griechenland anerkennt die Zollquittung betr. Mehrwertsteuer einfach nicht an, will zusätzlichen Papierkram. Mühsam!! Ich werd nun behandelt wie ein Boot aus einem Drittland, USA z.B. Ich krieg ein Transit Log, damit kann ich 18 Monate segeln. Wenn das Schiff an Land steht, wird die Uhr angehalten. So kann ich geschätzte 3 Jahre in GR bleiben, muss danach für einen Tag die EU verlassen (Albanien oder Türkei). Danach beginnen die 18 Monate von vorn. Nach dem Zoll geht es wieder zur Portolice, diese stempelt das Transit Log. So und nun kann man ich GR segeln. Einen ganzenTag hab ich gebraucht zum Einklarieren und das im Jahr 2019. Man kann das auch positiv sehen, in Mexiko, einem anderen Land der wiehernden Bürokratie hab ich fast ne Woche gebraucht. Nun segeln wir nach Süden in die Ionischen Inseln. Schöne Landschaft mit vielen Zypressen. Wir ankern und baden im Süden von Levkas mehrere Tage- dolce far niente.

Danach geht es in die Syvoata Bucht in Levkas auch hier legen wir uns vor Anker. Schöne Umgebung, ein Hauch von St. Tropez in GR. Vor ein paar Tagen wurde eine heftige Gewitterfront für heute voraussgesagt, wir haben uns deshalb an einen Steg einer Kneipe gelegt-gratis mit Strom und Wasser – einzige Bedingung, man muss mal in der Kneipe essen. Abriss? Fehlanzeige, normale griechische Preise. Gestern Abend: Vorspeise Griechischer Salat, Rita eine grosse Portion Moules, ich eine Bouabaisse à la Levkada, Kuchen, Café, 1/2 Liter Weisswein, Mineralwasser-total für beide Euro38.- Vor 4 Stunden kam die Gewitterfront durch, alles andere als heftig-was meine meterologischen Schlüsse betr. Gewittertiefvorhersage bestätigt.

Wir wünschen allen eine schöne Zeit

Rita und Gerold

Newsflash

Viele neue Kurzberichte unter der Rubrik Reiseberichte (siehe rechts oben) habe ich für Euch verfasst. Viel Spass dabei.